Ein gutes WordPress-Briefing muss noch keine fertige Lösung enthalten. Es muss die richtigen Fragen beantworten: Was soll die Website erreichen, für wen bauen wir sie, welche Inhalte und Funktionen werden benötigt und wer trägt welche Verantwortung?
Je klarer diese Grundlage ist, desto vergleichbarer werden Angebote. Unklare Anforderungen verschwinden nicht. Sie tauchen später als Nachtrag, Verzögerung oder enttäuschte Erwartung wieder auf.
Warum unklare Briefings Angebote unvergleichbar machen
„Moderne WordPress-Website mit ungefähr zehn Seiten“ beschreibt weder den strategischen noch den technischen Umfang. Eine Agentur kalkuliert vielleicht mit vorhandenen Texten und einem Standard-Theme. Eine andere plant Workshops, individuelle Gestaltung, SEO-Migration und eine Schulung ein. Beide Angebote können seriös sein und trotzdem völlig unterschiedliche Leistungen enthalten.
Ein Briefing trennt deshalb drei Ebenen:
- Ziel: Welches geschäftliche oder organisatorische Problem soll die Website lösen?
- Umfang: Welche Inhalte, Funktionen und Systeme gehören dazu?
- Zusammenarbeit: Wer entscheidet, liefert, prüft und betreibt?
Die technische Lösung folgt daraus. WordPress ist das Werkzeug, nicht die Strategie.
Geschäftsziele und Zielgruppen
Beginnt nicht mit Farben oder Plugins. Formuliert zuerst zwei bis vier Ziele, die sich nach dem Launch beobachten lassen. Zum Beispiel:
- mehr qualifizierte Anfragen für bestimmte Leistungen;
- weniger Rückfragen durch verständliche Informationen;
- bessere Bewerbungen für schwer zu besetzende Stellen;
- Direktverkäufe oder Terminbuchungen;
- eine pflegbare Plattform für Redaktion und Vertrieb.
Zu jedem Ziel gehört eine Zielgruppe und ein nächster Schritt. Ein Einkaufsverantwortlicher im B2B braucht andere Belege als eine Bewerberin. Ein Bestandskunde sucht andere Inhalte als ein Erstkontakt aus Google.
Schreibt nicht nur demografische Merkmale auf. Hilfreicher sind Anlass, Vorwissen, Einwände und Entscheidungskriterien. Daraus entstehen Navigation, Inhalte und Handlungsaufforderungen.
Seitenumfang und Inhalte
Listet zunächst Seitentypen, nicht jede einzelne URL. Typische Beispiele sind Leistungsdetail, Branchenlösung, Referenz, Stellenanzeige, Teamprofil, Ratgeberartikel und Kontaktseite. Für jeden Typ sollten Zweck, Pflichtinhalte und zuständige Redaktion klar sein.
Eine einfache Inhaltsmatrix reicht:
| Seitentyp | Zweck | benötigte Inhalte | verantwortlich | Status |
|---|---|---|---|---|
| Leistungsseite | Anfrage vorbereiten | Nutzen, Ablauf, Belege, FAQ | Fachteam + Redaktion | Rohmaterial vorhanden |
| Referenz | Vertrauen schaffen | Ausgangslage, Lösung, Ergebnis, Bilder | Projektleitung | Freigabe offen |
| Kontakt | Hürde senken | Ansprechpartner, Formular, Datenschutz | Vertrieb | vollständig |
Wenn Inhalte mehrfach strukturiert gepflegt werden sollen, können Custom Post Types in WordPress sinnvoll sein. Das gehört früh ins Briefing, weil es Datenmodell, Redaktion und Darstellung beeinflusst.
Klärt außerdem, wer Texte schreibt, wer Bilder auswählt und bis wann Freigaben vorliegen. „Inhalte kommen vom Kunden“ ist kein Zeitplan.
Funktionen und Schnittstellen
Beschreibt eine Funktion über ihren Ablauf, nicht über einen Plugin-Namen. Bei einer Terminbuchung sind beispielsweise wichtig:
- Wer darf welche Termine sehen und buchen?
- Welche Daten werden erhoben?
- Welche Bestätigungen und Erinnerungen werden versendet?
- Wie werden Stornierungen behandelt?
- In welches interne System fließen die Daten?
- Was passiert bei einem Fehler?
Dasselbe gilt für CRM, Newsletter, Produktdaten, Karten, Login-Bereiche, Bewerbungsformulare und Zahlungsanbieter. Nennt vorhandene Systeme, Zugänge, Ansprechpersonen und bekannte Einschränkungen.
Für jede geschäftskritische Funktion gehört ein Abnahmeszenario ins Briefing. „Formular funktioniert“ ist zu vage. „Eine Testanfrage wird gespeichert, an die richtige Adresse verschickt, im CRM angelegt und mit korrekter Einwilligung dokumentiert“ ist prüfbar.
Design, Marke und Barrierefreiheit
Stellt Logo, Farben, Schriften, Bildwelt und Gestaltungsrichtlinien bereit. Wenn davon nur ein Logo existiert, sagt das offen. Dann kann die Entwicklung eines digitalen Gestaltungssystems kalkuliert werden.
Referenzseiten helfen, wenn ihr nicht nur „gefällt uns“ dazuschreibt, sondern den Grund nennt: klare Navigation, ruhige Typografie, verständlicher Produktvergleich oder gute mobile Bedienung. Kopieren ist kein Konzept. Die Referenzen machen Erwartungen besprechbar.
Legt Anforderungen an Tastaturbedienung, Kontrast, Alternativtexte, Formulare und verständliche Sprache fest. Barrierefreiheit und SEO überschneiden sich bei sauberer Struktur und guter Bedienbarkeit, verfolgen aber nicht dasselbe Ziel.
Auch die Theme-Entscheidung folgt aus dem Bedarf. Unser Beitrag über die Grenzen von Divi in professionellen Projekten zeigt, warum ein Werkzeug nicht für jeden Umfang gleich gut passt.
SEO, Tracking und Datenschutz
Ein Relaunch braucht eine Liste bestehender URLs, relevanter Rankings und notwendiger Weiterleitungen. Für neue Websites gehören Keyword- und Suchintentionsanalyse, logische Informationsarchitektur, editierbare Metadaten und eine Sitemap zur Basis.
Beim Tracking reicht „Google Analytics einbauen“ nicht. Definiert:
- welche Aktionen als Conversion zählen;
- welche Systeme Daten erhalten;
- wie Einwilligung und Widerruf funktionieren;
- wer Konten und Daten besitzt;
- welche Berichte später Entscheidungen auslösen.
Datenschutztexte und juristische Prüfung sind nicht automatisch Teil der Webentwicklung. Klärt, wer sie liefert, wer technische Dienste dokumentiert und wer die finale Freigabe erteilt.
Hosting, Wartung und Verantwortungen
Die Website ist nach dem Launch nicht fertig. Das Briefing sollte den späteren Betrieb bereits enthalten:
- Hosting-Anforderungen und Vertragsinhaber;
- Backup- und Wiederherstellungsprozess;
- Updates für Core, Theme und Plugins;
- Monitoring von Erreichbarkeit und Funktionen;
- Benutzerrollen und Zugangsverwaltung;
- Reaktionswege bei Störungen;
- Pflege von Inhalten und Lizenzen.
Legt fest, welche Konten euch gehören und wie Zugänge dokumentiert werden. Eine Website darf nicht an einem privaten Agenturkonto hängen, das bei einem Wechsel verschwindet.
Abnahme, Zeitplan und Budget
Ein Zeitplan braucht mehr als einen Go-live-Termin. Haltet Meilensteine, Liefertermine, Feedbackfenster und Entscheider fest. Wenn drei interne Abteilungen Inhalte freigeben, gehört diese Abhängigkeit in die Planung.
Für die Abnahme braucht ihr prüfbare Kriterien. Dazu zählen Darstellungen auf vereinbarten Geräten, Formulare, Weiterleitungen, Tracking, Cookie-Einwilligung, redaktionelle Bedienung und Performance-Ziele. Unbegrenzte Korrekturschleifen helfen keiner Seite. Besser sind klare Phasen und eine definierte Behandlung neuer Anforderungen.
Nennt einen Budgetkorridor. Das spart keine Verhandlung, aber verhindert Lösungen, die am Bedarf oder an euren Möglichkeiten vorbeigehen. Eine gute Agentur kann dann priorisieren: Was muss zum Launch stehen, was kann in eine zweite Ausbaustufe?
Briefing-Vorlage zum Kopieren
Füllt für eure Anfrage diese neun Blöcke aus:
1. Unternehmen und Ausgangslage
Was bietet ihr an? Welche Website oder Systeme gibt es bereits? Warum soll jetzt etwas verändert werden?
2. Ziele und Erfolg
Welche zwei bis vier Ergebnisse soll das Projekt erreichen? Woran erkennt ihr sechs Monate nach dem Launch, ob es funktioniert?
3. Zielgruppen und Aufgaben
Wer kommt mit welchem Anliegen? Welche Fragen, Einwände und nächsten Schritte sind wichtig?
4. Umfang und Inhalte
Welche Seitentypen, Sprachen und Medien werden benötigt? Was ist vorhanden, was muss neu erstellt oder migriert werden?
5. Funktionen und Systeme
Welche Prozesse, Formulare, Schnittstellen und Konten gehören dazu? Welche davon sind geschäftskritisch?
6. Design und Qualität
Welche Markenunterlagen gibt es? Welche Anforderungen gelten für mobile Nutzung, Barrierefreiheit, Browser und Performance?
7. SEO, Daten und Recht
Welche Sichtbarkeit soll erhalten oder aufgebaut werden? Was wird gemessen? Wer verantwortet Datenschutz und Rechtstexte?
8. Betrieb und Übergabe
Wer hostet, wartet und pflegt? Welche Schulung, Dokumentation und Reaktionszeiten werden erwartet?
9. Zusammenarbeit
Wer entscheidet? Welche Termine, Budgetgrenzen, Beschaffungsregeln und Abnahmekriterien gelten?
Google empfiehlt Inhalte, die für ein vorhandenes Publikum nützlich sind und echte Erfahrung erkennen lassen. Das beginnt nicht erst beim Schreiben. Es beginnt mit einem Briefing, das Zweck, Verantwortung und Qualität klärt. Die Fragen dazu bündelt Googles Leitfaden zu hilfreichen, verlässlichen Inhalten.
Wenn ihr euer Briefing gemeinsam schärfen wollt, prüfen wir Ziele, Umfang und offene Entscheidungen vor dem Angebot. Unsere WordPress-Websites planen wir so, dass Aufbau, Inhalt und späterer Betrieb zusammenpassen.



