Eine andere Lieferadresse, ein Tippfehler oder doch lieber eine andere Zahlungsart: Beim Einkaufen läuft selten alles auf Anhieb. Mit einem Testkauf könnt ihr herausfinden, wie gut euer Shop eure Kunden bei solchen kleinen Umwegen begleitet.
Vor einer Jahresendaktion lohnt es sich, diese Wege in eurem WooCommerce-Shop durchzuspielen. Probiert es am besten auf dem Smartphone und ohne Administratorzugang aus. So erlebt ihr den Einkauf aus der Sicht eurer Kunden.
Bevor ihr auf „Bestellen“ tippt
Bereitet den Durchlauf mit eurer technischen Betreuung in einer getrennten Testumgebung vor. Verwendet den dokumentierten Testmodus des jeweiligen Zahlungsanbieters und legt fest, welche Produkte, Liefergebiete und Zahlungsarten ihr durchspielt.
Besonders wichtig sind die Verbindungen nach draußen: E-Mail, Warenwirtschaft, Versand und Analysewerkzeuge. WooCommerce weist ausdrücklich darauf hin, dass Testbestellungen solche Abläufe auslösen können. Eine Erweiterung weiß nicht automatisch, dass ihr gerade nur probiert. Externe Übertragungen müssen deshalb kontrolliert sein oder über Testzugänge laufen.
Der Testmodus prüft außerdem nicht, ob eure produktiven Zahlungszugänge korrekt eingerichtet sind. Für diesen letzten Abgleich braucht ihr einen abgestimmten Prüfablauf auf dem Live-System, einschließlich des Umgangs mit Bestellung und Zahlung.
Wenn diese Vorbereitungen abgeschlossen sind, könnt ihr euren Testkauf beginnen.
Ihr habt euch bei der Variante vertan
Legt ein typisches Produkt in den Warenkorb und ändert die Menge. Wechselt anschließend zu einer anderen Variante, so wie es auch euren Kunden beim Einkaufen passieren kann.
Bleibt erkennbar, was ihr gerade bestellt? Stimmen Variante, Menge und Verfügbarkeit? Geht zurück zur Produktseite und anschließend wieder in den Warenkorb. Was ihr dort seht, sollte zu euren letzten Änderungen passen.
Wenn eure Aktion einen Gutschein vorsieht, probiert auch dessen Grenzen aus. Passt er für die vorgesehenen Artikel? Was passiert bei einem ungültigen Code? Der Shop sollte verständlich sagen, woran es liegt. „Fehler“ allein ist eine eher knappe Hilfestellung.
Zeigt der Warenkorb nach einer Änderung noch den alten Inhalt, sollte eure technische Betreuung den Cache prüfen. Dieser Zwischenspeicher kann Seiten schneller ausliefern. Persönliche Warenkorbinhalte dürfen dabei jedoch nicht als gemeinsame Seitenkopie gespeichert und an andere Besucher ausgegeben werden. Die WooCommerce-Hinweise zum Caching behandeln deshalb Warenkorb, Checkout und Kundenkonto gesondert. Prüft auch die beteiligten Hosting- und CDN-Einstellungen.
Die Lieferung soll doch ins Büro
Im Checkout ändert ihr die Lieferadresse. Vielleicht kommt ein anderes Liefergebiet dazu. Jetzt muss der Shop die dafür vorgesehenen Versand- und Zahlungsarten anbieten. Bei einer nicht belieferbaren Adresse braucht ihr eine hilfreiche Erklärung.
Lasst anschließend ein Pflichtfeld leer und ergänzt es nach der Fehlermeldung. Bleiben die anderen Angaben erhalten? Eure Kunden sollten an dieser Stelle weitermachen können, ohne alles erneut einzutragen.
Auf dem Smartphone kommt die Bildschirmtastatur dazu. Sind Eingabefeld und Fehlermeldung noch sichtbar? Lässt sich die nächste Aktion erreichen? Ein Formular kann auf einem großen Monitor angenehm wirken und auf dem Handy erstaunlich viel Geduld verlangen.
Prüft am Rechner auch die Bedienung mit der Tastatur. Die aktive Position muss erkennbar bleiben; Felder und Schaltflächen sollten in sinnvoller Reihenfolge erreichbar sein. Die W3C-Einstiegsprüfung erklärt solche Kontrollen. Eine vollständige Prüfung der Barrierefreiheit ersetzt dieser Durchlauf nicht.
Beim Bezahlen dreht ihr um
Prüft für jede wichtige Zahlungsart zunächst einen erfolgreichen Bezahlvorgang. Anschließend könnt ihr mit den vorgesehenen Testfällen des Anbieters ausprobieren, wie der Shop auf eine Ablehnung, einen Abbruch und einen erneuten Versuch reagiert.
Achtet besonders auf die Rückkehr zum Shop. Weiß der Kunde, ob noch eine Zahlung fehlt oder der Vorgang bereits bearbeitet wird? Kann er sinnvoll weitermachen, ohne vorsichtshalber noch einmal zu bestellen?
Schaut gleichzeitig in die Bestellverwaltung und in das Testsystem des Zahlungsanbieters. Zahlung und Bestellung müssen eindeutig zusammengehören. Bei einer verzögerten Rückmeldung braucht es einen nachvollziehbaren Zwischenstand und einen Weg zum Abgleich. „Noch keine Bestätigung“ bedeutet nicht automatisch „nicht bezahlt“.
Legt mit der Betreuung auch fest, wie wiederholte Aufrufe geprüft werden. Daraus sollen keine unbeabsichtigten zusätzlichen Belastungen oder doppelten Aufträge entstehen.
Auch nach einem abgebrochenen Bezahlvorgang sollte verständlich sein, was passiert ist und wie eure Kunden weitermachen können.
Nach der Bestätigung geht die Arbeit im Betrieb weiter
Jetzt schaut ihr dorthin, wo die Bestellung bearbeitet wird. Sind Produkt, Menge, Adresse und Versandart vollständig angekommen? Passt die Bestandsänderung zur vereinbarten Shoplogik? Wird der Auftrag erst bei dem dafür vorgesehenen Zahlungsstatus weitergegeben?
Folgt der Bestellung bis in die tatsächlich angebundenen Systeme. Falls eine Übertragung scheitert, muss jemand das erkennen und sie kontrolliert wiederholen können. Sonst entsteht im Shop eine ordentliche Bestätigung, während im Versand niemand etwas von dem Auftrag weiß.
Prüft auch die Nachricht an den Kunden: richtiger Empfänger, passender Inhalt, funktionierende Links. Bei Zustellproblemen erklärt unser Beitrag über Formularnachrichten den technischen Hintergrund; der konkrete WooCommerce-Versandweg muss zusätzlich geprüft werden.
Genau diese Verbindungen gehören für uns zur Arbeit an einem WooCommerce-Shop. Was nach dem Klick passiert, entscheidet mit darüber, ob der Shop im Alltag funktioniert.
Haltet einen gefundenen Fehler so fest, dass jemand ihn nachspielen kann: Gerät, Warenkorb, Zahlungsart, eure Schritte und das tatsächliche Ergebnis. Dazu eine geeignete Bestell- oder Zahlungsreferenz, keine vollständigen Zahlungsdaten. Nach der Korrektur wiederholt ihr den betroffenen Weg und die direkt angeschlossenen Schritte.
Wenn ihr die Bestellung vom Warenkorb bis zur Bearbeitung nachvollziehen könnt, folgt der nächste Durchlauf. Probiert zum Abschluss auch noch einmal den direkten Weg ohne Änderungen aus.



