In unserem ersten Artikel haben wir die Grundlagen und die Bedeutung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) für Business-to-Consumer (B2C)-Unternehmen erläutert. Nun gehen wir einen Schritt weiter und zeigen Euch, wie Ihr Eure Website und digitalen Angebote barrierefrei gestalten könnt, um den Anforderungen des BFSG zu entsprechen.

Analyse der aktuellen Website

Der erste Schritt zur Umsetzung des BFSG ist die Analyse Eurer aktuellen Website auf Barrierefreiheit. Hier sind einige wichtige Punkte, die Ihr beachten solltet:

  1. Wie prüft man eine Website auf Barrierefreiheit?
    • Automatisierte Prüfungen: Nutzt Tools wie WAVE, Axe oder Google Lighthouse, um eine erste Analyse Eurer Website durchzuführen. Diese Tools identifizieren grundlegende Barrieren und geben Hinweise zur Behebung.
    • Manuelle Prüfungen: Ergänzt die automatisierten Prüfungen durch manuelle Tests, um sicherzustellen, dass alle Barrieren erkannt werden. Achtet dabei auf die Bedienbarkeit mit der Tastatur, die Verständlichkeit der Inhalte und die Struktur der Navigation.
  2. Tools und Methoden zur Bewertung:
    • Screenreader: Testet Eure Website mit Screenreadern wie JAWS oder NVDA, um sicherzustellen, dass alle Inhalte zugänglich sind.
    • Farbkontrast-Checker: Verwendet Tools wie das Colour Contrast Analyser, um sicherzustellen, dass Eure Website ausreichend Kontrast für Menschen mit Sehbehinderungen bietet.
    • Usability-Tests: Führt Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen durch, um praktische Einblicke in die Nutzung Eurer Website zu erhalten.

Praxisbeispiel – Testen der Webseite mit Google Lighthouse

Google Lighthouse ist ein Open-Source-Tool, das verschiedene Aspekte der Website-Performance prüft, einschließlich der Barrierefreiheit. Es kann direkt in Google Chrome ausgeführt werden und bietet detaillierte Berichte zu verschiedenen Metriken.

Schritte zur Durchführung eines Tests mit Google Lighthouse:

  1. Lighthouse in Chrome öffnen:
    • Öffnet Google Chrome und geht zu der Seite, die Ihr testen möchtet.
    • Klickt mit der rechten Maustaste auf die Seite und wählt „Untersuchen“ (Inspect).
    • Wechselt zum Reiter „Lighthouse“ im Entwicklertools-Fenster.
  2. Audit starten:
    • Wählt im Lighthouse-Tab die Kategorie „Accessibility“ (Barrierefreiheit) aus.
    • Klickt auf „Generate report“ (Bericht erstellen), um den Audit zu starten.
  3. Ergebnisse interpretieren:
    • Lighthouse führt automatisierte Tests durch und bewertet Eure Website anhand einer Reihe von Kriterien.
    • Die Ergebnisse werden in einem leicht verständlichen Bericht dargestellt, der zeigt, welche Bereiche verbessert werden müssen. Zu den typischen Prüfungen gehören die Überprüfung von Alt-Texten für Bilder, die Tastaturnavigation, ARIA-Attribute und Farbkontraste.
    • Lighthouse weist auf fehlende oder fehlerhafte Elemente hin und bietet konkrete Handlungsempfehlungen.

Technische Anforderungen

Um den Anforderungen des BFSG gerecht zu werden, müsst Ihr die technischen Aspekte Eurer Website optimieren. Hier sind einige konkrete Maßnahmen:

  1. WCAG-Richtlinien (Web Content Accessibility Guidelines):
    • Die WCAG-Richtlinien bieten einen umfassenden Rahmen für die Barrierefreiheit im Web. Achtet darauf, dass Eure Website mindestens den WCAG 2.1 AA-Standard erfüllt.
  2. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit:
    • Alt-Texte: Stellt sicher, dass alle Bilder auf Eurer Website mit aussagekräftigen Alt-Texten versehen sind.
    • Kontrastverhältnisse: Verbessert die Lesbarkeit Eurer Website, indem Ihr hohe Kontrastverhältnisse zwischen Text und Hintergrund verwendet.
    • Tastaturnavigation: Stellt sicher, dass alle interaktiven Elemente Eurer Website (z.B. Links, Schaltflächen, Formulare) mit der Tastatur bedienbar sind.
    • Aria-Labels: Verwendet ARIA-Labels, um zusätzliche Informationen für Screenreader bereitzustellen und die Struktur Eurer Inhalte klarer zu machen.

Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen

Ein entscheidender Schritt zur Sicherstellung der Barrierefreiheit ist die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in den Testprozess. Hier sind einige Tipps:

  1. Durchführung und Auswertung von Usability-Tests:
    • Arbeitet mit Organisationen oder Netzwerken zusammen, die Menschen mit Behinderungen unterstützen, um geeignete Testpersonen zu finden.
    • Führt Tests durch, bei denen die Nutzer typische Aufgaben auf Eurer Website erledigen. Beobachtet und dokumentiert dabei die aufgetretenen Probleme.
    • Analysiert die Ergebnisse und priorisiert die Behebung der identifizierten Barrieren.
  2. Einbeziehung von Betroffenen in den Entwicklungsprozess:
    • Bezieht Menschen mit Behinderungen schon in der Planungs- und Entwicklungsphase Eurer Website ein. Dies kann durch Feedbackrunden, Interviews oder Workshops geschehen.
    • Nutzt deren Erfahrungen und Perspektiven, um Eure Website kontinuierlich zu verbessern und sicherzustellen, dass sie wirklich barrierefrei ist.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Umsetzung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) erfordert eine sorgfältige Planung und kontinuierliche Anpassungen. Durch die Analyse Eurer aktuellen Website, die Nutzung von Tools wie Google Lighthouse, die Umsetzung technischer Maßnahmen und die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen könnt Ihr sicherstellen, dass Eure digitalen Angebote den Anforderungen entsprechen und gleichzeitig ein besseres Nutzererlebnis für alle bieten. Barrierefreiheit ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch eine Chance, Eure Reichweite zu erhöhen und Euer Unternehmen als sozial verantwortlich zu positionieren.

Unterstützung bei der Umsetzung

Falls Ihr Unterstützung bei der Umsetzung des BFSG benötigt, steht Euch das Team von Benz Digital gerne zur Verfügung. Wir helfen Euch bei der Analyse Eurer Website, der Steuerung anderer Agenturen oder der direkten Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen. Kontaktiert uns, um mehr zu erfahren und Eure digitale Präsenz barrierefrei zu gestalten.

Disclaimer: Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und dient ausschließlich Informationszwecken. Er stellt keine rechtliche Beratung dar. Für rechtliche Beratung konsultiert bitte einen qualifizierten Anwalt oder Rechtsberater.

Was ist das BFSG?

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist ein bedeutendes Gesetz, das darauf abzielt, die Barrierefreiheit in verschiedenen Lebensbereichen zu verbessern, insbesondere im digitalen Raum. Es wurde entwickelt, um sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang zu Produkten und Dienstleistungen haben, was in unserer zunehmend digitalen Welt immer wichtiger wird.

Das Gesetz umfasst eine Vielzahl von Anforderungen und Richtlinien, die Unternehmen und Organisationen umsetzen müssen, um ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Dies betrifft Websites, mobile Anwendungen und andere digitale Plattformen.

Wer ist betroffen und welche Anforderungen stellt das Gesetz?

Das BFSG betrifft eine breite Palette von Unternehmen und Organisationen, einschließlich öffentlicher Institutionen und Business-to-Consumer (B2C)-Unternehmen. In diesem Artikel konzentrieren wir uns jedoch auf die Anforderungen und Auswirkungen für B2C-Unternehmen.

Die Hauptanforderungen des Gesetzes beinhalten:

  1. Zugänglichkeit von Websites und mobilen Anwendungen:
    • Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Websites und mobilen Anwendungen den Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) entsprechen.
  2. Barrierefreie Gestaltung von Benutzeroberflächen:
    • Digitale Oberflächen müssen so gestaltet sein, dass sie für alle Benutzer, einschließlich Menschen mit Behinderungen, zugänglich und nutzbar sind.
  3. Bereitstellung von alternativen Formaten:
    • Inhalte müssen in verschiedenen Formaten angeboten werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden.

Wichtige Begriffe und Definitionen

  1. Barrierefreiheit im digitalen Kontext:
    • Barrierefreiheit bedeutet, dass digitale Inhalte und Dienstleistungen so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen, unabhängig von ihren körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, genutzt werden können. Dies umfasst die Anpassung von Websites, Apps und anderen digitalen Plattformen, um Hindernisse zu beseitigen, die Menschen mit Behinderungen daran hindern könnten, sie zu nutzen.
  2. Unterschied zwischen Barrierefreiheit und Zugänglichkeit:
    • Barrierefreiheit bezieht sich auf die Beseitigung von Hindernissen und die Anpassung von digitalen Inhalten, während Zugänglichkeit oft den praktischen Aspekt der Nutzung beschreibt. Ein zugänglicher Dienst ist so gestaltet, dass er barrierefrei genutzt werden kann.

Wann sind B2C-Unternehmen betroffen?

B2C-Unternehmen sind vom BFSG betroffen, wenn sie digitale Produkte und Dienstleistungen direkt an Verbraucher anbieten. Dies umfasst unter anderem:

  1. E-Commerce-Websites:
    • Online-Shops, die Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher verkaufen, müssen sicherstellen, dass ihre Webseiten barrierefrei sind.
  2. Dienstleistungsplattformen:
    • Websites, die Dienstleistungen wie Buchungen, Terminvereinbarungen oder andere Online-Services anbieten, müssen barrierefrei gestaltet sein.
  3. Mobile Anwendungen:
    • Apps, die von Verbrauchern genutzt werden, müssen ebenfalls die Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllen.

Unternehmen sollten ihre digitalen Angebote regelmäßig überprüfen und anpassen, um sicherzustellen, dass sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Dies schließt die Implementierung von barrierefreien Designelementen, die Optimierung der Benutzeroberfläche und die Bereitstellung von Inhalten in alternativen Formaten ein.

Relevanz für KMUs

  1. Warum sollten kleine und mittelständische Unternehmen das BFSG ernst nehmen?
    • Die Umsetzung des BFSG ist nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern bietet auch zahlreiche Vorteile. Barrierefreie Websites und digitale Dienste können eine größere Zielgruppe erreichen, einschließlich Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen und anderen, die auf barrierefreie Lösungen angewiesen sind. Darüber hinaus verbessert die Einhaltung der Barrierefreiheitsrichtlinien das Nutzererlebnis insgesamt und kann zu einer höheren Kundenzufriedenheit und -bindung führen.
  2. Vorteile der Implementierung von barrierefreien Lösungen:
    • Erweiterte Zielgruppe: Durch die Umsetzung von Barrierefreiheitsstandards können Unternehmen eine breitere Zielgruppe ansprechen, was zu einer Erhöhung der potenziellen Kundenzahl führt.
    • Besseres Nutzererlebnis: Barrierefreie Websites sind oft benutzerfreundlicher und bieten eine bessere Nutzererfahrung für alle Besucher.
    • Positive Markenwahrnehmung: Unternehmen, die auf Barrierefreiheit achten, werden als sozial verantwortlich wahrgenommen, was das Markenimage verbessern kann.
    • Rechtliche Absicherung: Die Einhaltung des BFSG schützt Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen und möglichen Strafen bei Nichteinhaltung.

Zusammenfassung

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) stellt einen wichtigen Schritt zur Schaffung einer inklusiveren digitalen Welt dar. Für kleine und mittelständische Unternehmen bietet die Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch zahlreiche geschäftliche Vorteile. Es ist entscheidend, dass Unternehmen die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten und so sicherzustellen, dass sie für alle Nutzer zugänglich sind.

Disclaimer: Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und dient ausschließlich Informationszwecken. Er stellt keine rechtliche Beratung dar. Für rechtliche Beratung konsultiert bitte einen qualifizierten Anwalt oder Rechtsberater.

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